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documentation céline duval
Trophäenkammer, 2011
Eine Installation in der öffentlichen Beratungszone der Arbeiterkammer Wien


Wöchentlich entstehen Millionen, wenn nicht Milliarden von Fotografien. Die meisten bekommen wir nie zu sehen, viele werden auf der Stelle vernichtet, andere landen auf irgendeinem Server oder, mit etwas Glück, in einem Fotoalbum. Flüchtigkeit und Verschwinden prägen seit langem dieses Medium, das sich wie kein anderes über die Möglichkeiten der Vervielfältigung definiert und gleichzeitig mit ihnen ringt. Was aber soll mit diesem gigantischen Bilderbe eigentlich geschehen? Wie sollen wir mit diesem Reichtum und der Vergeblichkeit unserer alltäglichen Dokumentationsfreude umgehen? Die französische Künstlerin Céline Duval (*1974) stellt sich diesen Fragen mit der von ihr gegründeten documentation céline duval auf präzise, humorvolle und doppelbödige Weise. Damit gehört sie einer jüngeren Generation an, welche unverfroren, aber nicht naiv zur Sache geht und sich dabei die Ansätze der großen Vorgänger – von Jean-Luc Godard über Hanspeter Feldmann bis hin zu John Baldessari – aneignet und weiter entwickelt.

Céline Duval findet ihre Fotografien auf Flohmärkten, im Internet oder bei Freunden. Dabei entsteht ein Archiv, aus dem sie entlang formaler Kriterien Bildgruppen zusammenstellt, so dass sich zwischen scheinbar anekdotischen Bildern Zusammenhänge ergeben, welche unerwartete Einblicke in unsere Bildsprache erzeugen. Für die Arbeiterkammer Wien hat documentation céline duval eine "Trophäenkammer" von 54 Fotografien ausgewählt. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch und sein Körper in sportlicher Betätigung: wie der einzelne alleine oder in der Gruppe seine Freizeit kräfteraubend ausfüllt und sich dabei, auf der Suche nach der fotogenen, ja zeitlosen Pose, lustvoll in Szene setzt. Es sind historische Fotografien, die Duval am Computer in Kleinstarbeit von Staub, Falten und anderen Spuren befreit, so dass ihnen jegliche Nostalgie abgeht. Denn es geht nicht um einen sentimentalen Rückblick und um das Beschwören vergangener Zeit, sondern um einen klaren Blick auf unsere Bildsprache und ihre Rhetorik und wie wir sie verwenden, um uns zu sehen, wie wir uns gesehen haben möchten. So formt die "Trophäensammlung" aus 54 Bildern Sätze, welche eine Geschichte des sich Herzeigens schreibt, eine Geschichte, an der wird fortdauernd arbeiten – mit bekanntlich mehr oder weniger Erfolg.

Daniel Baumann


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